Der Maskensammler, 2. Teil: Auf Java

In Batavia geht Bernhard in Begleitung von Ulrich Holzer von Bord der „Sindaro“. Warum ausgerechnet Java? Warum nimmt Bernhard nicht ein Schiff nach Buenos Aires? Die Stadt kenne ich, dort bin ich zweimal gewesen. Java und seine Hauptstadt hingegen kenne ich nicht aus eigener Anschauung. – Ich kann keine schlüssige Antwort geben. Das unbekannte Ziel war für Bernhard, aber auch für mich, der ich ihm auf seiner Reise in Gedanken folgte, abenteuerlicher und spannender.

Natürlich habe ich versucht, mich abzusichern. Wie sah Batavia im Jahre 1939 aus, wie waren damals die politischen und sozialen Verhältnisse auf der Insel? Ich habe in Archiven und Antiquariaten gestöbert und Recherchen im Internet angestellt und hoffe, dass es mir gelungen ist, die Orte, an denen sich Bernhard aufhält, faktisch und atmosphärisch für den Leser überzeugend darzustellen.

Nach den in geschützter Gleichmäßigkeit verlaufenen Wochen auf See erschreckt Bernhard das quirlige Chaos der großen, fremden Stadt. Ulrich Holzer und er sind in einer billigen Absteige untergekommen, in der Bernhard sich seines Lebens nicht sicher fühlt. Auf Vermittlung eines Zoll- und Polizeibeamten, einer Mischung aus Schutzengel und Bewacher, finden sie schließlich eine bessere Unterkunft. Er stellt ihnen auch Frank vor, der ihnen als Fremdenführer und Dolmetscher behilflich sein wird. Zum eigentlichen Stimmungsumschwung aber kommt es, als Bernhard in einem Café Antje kennen lernt, eine Holländerin, die in Batavia ihre javanesische Mutter besucht. Ohne es sich recht einzugestehen, verliebt er sich in sie, besucht mit ihr eine Dukun, eine weise Frau, und folgt ihr auf’s Land, wo er mit ihr die glücklichsten Wochen seines Lebens verbringt, während Ulrich Holzer als Schiffsarzt auf der „Sindaro“ zurück nach Europa fährt. Sein Glück ist allerdings nur von kurzer Dauer. Antje bringt aus der Stadt einen Freund mit. Es braucht eine Weile, bis Bernhard begreift, was die beiden des nachts miteinander treiben. Wie von Sinnen stürzt Bernhard aus dem Haus, kopflos, blind vor Schmerz rennt er davon, rennt bis seine Kräfte ihn verlassen. Als er sich wieder einigermaßen gefangen hat, beschließt er, seine Koffer zu packen, zumal ihn ein Telegramm seines Vaters erreicht, der ihm mitteilt, dass er schwer erkrankt ist und ihn zu sehen wünscht, bevor es zu spät ist. Als Bernhard am Tag der Abreise mit seinem Gepäck im Hafen steht, erscheint unerwartet Antje. „Ich bin schwanger“, sagt sie. „Das Kind ist von dir!“

(Fortsetzung folgt)