Der Maskensammer, 3. Teil: Die Rückkehr

Als Bernhard Riederer, von seiner Südostasienreise zurückgekehrt, in Rotterdam an Land ging, standen deutsche Soldaten mit schussbereiten Waffen am Kai. Die Deutsche Wehrmacht hatte im Mai 1940 Holland und Belgien besetzt und – um den Widerstand des niederländischen Heeres zu brechen – die Hafenstadt weitgehend zerstört. An einer Wand hing ein Transparent: „Der Sieg ist unser!“

In seinem Elternhaus empfing Bernhard eine junge Frau, in der er erst auf den zweiten Blick Katrin, die Tochter der Hausmeisterin, erkannte, mit den Worten: „Da sind sie ja. Ihr Vater ist tot.“ Im Nieselregen stand er an dessen Grab und stammelte die Worte: „Vater, vergib mir!“ Aber Reue verspürte er nicht, sein Kopf war leer.

Ohne viel zu verändern, bezog er Haus „Diana“. Im Wohnzimmer hängte er die Geweihe und andere Jagdtrophäen ab und die aus Java mitgebrachten Masken und Schattenspielfiguren auf die frei gewordenen Nägel. Katrin führte ihm den Haushalt, sie tat es nachlässig. Im Gegensatz zu allen anderen Verrichtungen machte sie nur eines mit Hingabe: Wenn er durchgefroren von seinen Streifzügen durch die Wälder zurückkam, massierte sie ihm die kalten Füße, bis ihm warm wurde und er entspannt die Augen schloss.

Die Tage vergingen eintönig, Bernhard verlor das Gefühl, aber auch das Interesse am Ablauf der Zeit. Den Tag, an dem das Deutsche Reich kapitulierte, verbrachte er im Gemüsegarten.

An einem Nachmittag im Frühherbst 1945 wurde Bernhard von einem französischen Offizier aus seinen Tagträumen geweckt. Der ungebetene Gast inspizierte das Haus auf der Suche nach Waffen und bemerkte nebenbei, die Generalität der französischen Armee suchte nach einem größeren Gebäude, das sich als Casino eignete. Bernhard hatte sich noch nicht von dem Schock erholt, als der Franzose wieder vor der Tür stand. Bereitwillig teilte Bernhard mit ihm die Jagdgewehre seines Vaters, auch die kostbaren Pistolen und die Munition. Der Gast revanchierte sich mit einer Flasche Rotwein und einer Spanschachtel Camembert. Von einer Beschlagnahme des Hauses war nun nicht mehr die Rede.

Kurz nach seinem vierunddreißigsten Geburtstag erhielt Bernhard wieder Besuch. Es war Ulrich Holzer, mit dem er sich auf seiner Java-Reise angefreundet hatte. Die Kriegsjahre hatte er unter demütigenden Bedingungen in Buenos Aires verbracht. Jetzt war er auf dem Weg nach Berlin. „Vielleicht hat man dort Verwendung für einen Arzt wie mich.“

Diese Passage des Romans habe ich vor etwa einem Jahr geschrieben. In dieser Zeit bin ich meiner Hauptfigur sehr nahe gekommen. Viele Stunden habe ich mit Bernhard, mit der Schilderung seiner Verfassung, seiner Gemütslage, seiner Weltfremdheit verbracht. Im nächsten Teil erfährt sein Leben eine für ihn unerwartete Wende.

(Fortsetzung folgt)