Der Maskensammler, 4. Teil: Die ersten Veranstaltungen

Reinhold Neven Du Mont im Kölner Literaturhaus„Der Maskensammler“ ist jetzt fast zwei Monate in den Buchhandlungen. Die Buchhändler, mit denen ich gesprochen habe, haben den Roman gern gelesen und wollen sich für ihn einsetzen. Dass Buchhändler ein Buch ihren Kunden empfehlen, ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg.

Wichtig sind auch öffentliche Lesungen, bei denen der Autor sein Publikum kennenlernt. In meinem Fall fand die Generalprobe vor fernöstlichen Vasen und Terrakottafiguren in der schönen Kokon-Buchhandlung in München statt. Mein Verleger, Wolfgang Beck, und seine Frau waren gekommen, Martin Hielscher, mein Lektor, führte in den Text ein.

Die Premiere im Kölner Literaturhaus war für mich ein Heimspiel. Die Veranstaltung war der Auftakt des Herbstprogramms, viele alte Bekannte und gute Freunde waren gekommen. Ich las Auszüge aus den ersten Kapiteln bis zu der Abschiedsszene zwischen Bernhard und Antje im Hafen von Batavia. Danach haben wir bei einem Umtrunk auf den „Maskensammler“ angestoßen.

Gerne lese ich auch in Buchhandlungen, umgeben von Bücherregalen, so zum Beispiel in der gut geführten Starnberger „Bücherjolle“. Dort herrscht eine konzentrierte Atmosphäre und man hat das Gefühl, als hörten die Autoren der anderen Bücher kritisch zu.

Drei Tage war ich zur Buchmesse in Frankfurt. Am Wochenende waren die Hallen brechend voll. Nur mühsam konnte ich mir den Weg zum Gläsernen Studio der ARD und dem Forum der Süddeutschen Zeitung bahnen, die mich zu einem literarischen Rätselraten beziehungsweise zu einer Lesung eingeladen hatten. Unter den Besuchern waren auffällig viele Jugendliche, die sich über Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt informieren wollten. Angesichts des großen Andrangs hatte ich den Eindruck, dass man sich um die Zukunft des Buches keine Sorgen machen muss.

Der Maskensammer, 3. Teil: Die Rückkehr

Als Bernhard Riederer, von seiner Südostasienreise zurückgekehrt, in Rotterdam an Land ging, standen deutsche Soldaten mit schussbereiten Waffen am Kai. Die Deutsche Wehrmacht hatte im Mai 1940 Holland und Belgien besetzt und – um den Widerstand des niederländischen Heeres zu brechen – die Hafenstadt weitgehend zerstört. An einer Wand hing ein Transparent: „Der Sieg ist unser!“

In seinem Elternhaus empfing Bernhard eine junge Frau, in der er erst auf den zweiten Blick Katrin, die Tochter der Hausmeisterin, erkannte, mit den Worten: „Da sind sie ja. Ihr Vater ist tot.“ Im Nieselregen stand er an dessen Grab und stammelte die Worte: „Vater, vergib mir!“ Aber Reue verspürte er nicht, sein Kopf war leer.

Ohne viel zu verändern, bezog er Haus „Diana“. Im Wohnzimmer hängte er die Geweihe und andere Jagdtrophäen ab und die aus Java mitgebrachten Masken und Schattenspielfiguren auf die frei gewordenen Nägel. Katrin führte ihm den Haushalt, sie tat es nachlässig. Im Gegensatz zu allen anderen Verrichtungen machte sie nur eines mit Hingabe: Wenn er durchgefroren von seinen Streifzügen durch die Wälder zurückkam, massierte sie ihm die kalten Füße, bis ihm warm wurde und er entspannt die Augen schloss.

Die Tage vergingen eintönig, Bernhard verlor das Gefühl, aber auch das Interesse am Ablauf der Zeit. Den Tag, an dem das Deutsche Reich kapitulierte, verbrachte er im Gemüsegarten.

An einem Nachmittag im Frühherbst 1945 wurde Bernhard von einem französischen Offizier aus seinen Tagträumen geweckt. Der ungebetene Gast inspizierte das Haus auf der Suche nach Waffen und bemerkte nebenbei, die Generalität der französischen Armee suchte nach einem größeren Gebäude, das sich als Casino eignete. Bernhard hatte sich noch nicht von dem Schock erholt, als der Franzose wieder vor der Tür stand. Bereitwillig teilte Bernhard mit ihm die Jagdgewehre seines Vaters, auch die kostbaren Pistolen und die Munition. Der Gast revanchierte sich mit einer Flasche Rotwein und einer Spanschachtel Camembert. Von einer Beschlagnahme des Hauses war nun nicht mehr die Rede.

Kurz nach seinem vierunddreißigsten Geburtstag erhielt Bernhard wieder Besuch. Es war Ulrich Holzer, mit dem er sich auf seiner Java-Reise angefreundet hatte. Die Kriegsjahre hatte er unter demütigenden Bedingungen in Buenos Aires verbracht. Jetzt war er auf dem Weg nach Berlin. „Vielleicht hat man dort Verwendung für einen Arzt wie mich.“

Diese Passage des Romans habe ich vor etwa einem Jahr geschrieben. In dieser Zeit bin ich meiner Hauptfigur sehr nahe gekommen. Viele Stunden habe ich mit Bernhard, mit der Schilderung seiner Verfassung, seiner Gemütslage, seiner Weltfremdheit verbracht. Im nächsten Teil erfährt sein Leben eine für ihn unerwartete Wende.

(Fortsetzung folgt)

Der Maskensammler, 2. Teil: Auf Java

In Batavia geht Bernhard in Begleitung von Ulrich Holzer von Bord der „Sindaro“. Warum ausgerechnet Java? Warum nimmt Bernhard nicht ein Schiff nach Buenos Aires? Die Stadt kenne ich, dort bin ich zweimal gewesen. Java und seine Hauptstadt hingegen kenne ich nicht aus eigener Anschauung. – Ich kann keine schlüssige Antwort geben. Das unbekannte Ziel war für Bernhard, aber auch für mich, der ich ihm auf seiner Reise in Gedanken folgte, abenteuerlicher und spannender.

Natürlich habe ich versucht, mich abzusichern. Wie sah Batavia im Jahre 1939 aus, wie waren damals die politischen und sozialen Verhältnisse auf der Insel? Ich habe in Archiven und Antiquariaten gestöbert und Recherchen im Internet angestellt und hoffe, dass es mir gelungen ist, die Orte, an denen sich Bernhard aufhält, faktisch und atmosphärisch für den Leser überzeugend darzustellen.

Nach den in geschützter Gleichmäßigkeit verlaufenen Wochen auf See erschreckt Bernhard das quirlige Chaos der großen, fremden Stadt. Ulrich Holzer und er sind in einer billigen Absteige untergekommen, in der Bernhard sich seines Lebens nicht sicher fühlt. Auf Vermittlung eines Zoll- und Polizeibeamten, einer Mischung aus Schutzengel und Bewacher, finden sie schließlich eine bessere Unterkunft. Er stellt ihnen auch Frank vor, der ihnen als Fremdenführer und Dolmetscher behilflich sein wird. Zum eigentlichen Stimmungsumschwung aber kommt es, als Bernhard in einem Café Antje kennen lernt, eine Holländerin, die in Batavia ihre javanesische Mutter besucht. Ohne es sich recht einzugestehen, verliebt er sich in sie, besucht mit ihr eine Dukun, eine weise Frau, und folgt ihr auf’s Land, wo er mit ihr die glücklichsten Wochen seines Lebens verbringt, während Ulrich Holzer als Schiffsarzt auf der „Sindaro“ zurück nach Europa fährt. Sein Glück ist allerdings nur von kurzer Dauer. Antje bringt aus der Stadt einen Freund mit. Es braucht eine Weile, bis Bernhard begreift, was die beiden des nachts miteinander treiben. Wie von Sinnen stürzt Bernhard aus dem Haus, kopflos, blind vor Schmerz rennt er davon, rennt bis seine Kräfte ihn verlassen. Als er sich wieder einigermaßen gefangen hat, beschließt er, seine Koffer zu packen, zumal ihn ein Telegramm seines Vaters erreicht, der ihm mitteilt, dass er schwer erkrankt ist und ihn zu sehen wünscht, bevor es zu spät ist. Als Bernhard am Tag der Abreise mit seinem Gepäck im Hafen steht, erscheint unerwartet Antje. „Ich bin schwanger“, sagt sie. „Das Kind ist von dir!“

(Fortsetzung folgt)

Der Maskensammler, 1. Teil: Die Flucht

Wie vor der Arbeit an „Die Villa“ habe ich auch bei „Der Maskensammler“ zuerst ein Exposee verfasst, um die Hauptpersonen zu skizzieren und die Handlungsabläufe zu umreißen. Ein Exposee ist kein starres Korsett, in das ich mich bei der Niederschrift des Romans gezwängt fühle, sondern eine Art Leitfaden. Es muss Platz lassen für Änderungen, neue Ideen, Ergänzungen, Umstellungen.

Am Anfang stand das noch ungenaue Bild eines Mannes, der Probleme hat, seinen Platz in der Welt zu finden. Er sollte erst Hermann heißen, der Name erschien mir aber bald als zu teutonisch, daraufhin habe ich ihn Bernhard getauft.

Bernhard ist achtundzwanzig Jahre alt und studiert im sechzehnten Semester Ethnologie. Sein Vater, von dem er finanziell abhängig ist, kritisiert bei jeder Gelegenheit seine Unfähigkeit, die Verantwortung für seine Zukunft zu übernehmen und stellt ihm schließlich ein Ultimatum: Entweder Bernhard findet sich bereit, etwas Vernünftiges, nämlich eine Banklehre, zu machen, oder er streicht ihm die monatlichen Zuwendungen. Er gibt ihm zwölf Stunden Zeit, um sich zu entscheiden. Wenn Bernhard sich dem Willen des Vaters fügt, hat dieser ihm, gewissermaßen als Belohnung, einen Betrag von 100.000 Mark als Vorerbe in Aussicht gestellt. Es kommt zu einer dramatischen Szene, in der Bernhard scheinbar auf das Angebot des Vaters eingeht.

Bernhard hat vor, den Vater zu hintergehen. Aus der Hand eines Bankiers nimmt er den Scheck entgegen, bittet aber, mit dem Beginn der Lehre erst in sechs Wochen beginnen zu können. In dieser Zeit bereitet er, ausgestattet mit reichlich Geld, seine „Flucht“ vor. Er plant eine Reise nach Südostasien, um sich dem Einfluss des Vaters zu entziehen. Ende August 1939 schifft sich Bernhard in Rotterdam auf der „Sindaro“ ein, einem Frachtschiff, das auch ca. 40 Passagiere befördert. Hier beginnt das erste Kapitel des Romans. Während die Deutsche Wehrmacht Polen überfällt und England und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg erklären, genießt Bernhard – ohne von den weltgeschichtlichen Ereignissen Kenntnis zu nehmen – sein Leben an Bord. Er lernt den Schiffsarzt, Dr. Ulrich Holzer, kennen, von dem er erfährt, was seinen Vater zu einem verbitterten Mann gemacht hat. Als Professor der Germanistik an der Kölner Universität hatte Egon von Riederer an der Bücherverbrennung im Mai 1933 nicht teilgenommen. Er hatte sich zu von den Nazis verfemten Schriftstellern bekannt und war mit Schimpf und Schande als Lehrstuhlinhaber entlassen worden. Diese Demütigung hatte er nie verwunden.

Auf der langen Schiffsreise ereignen sich allerhand Vorkommnisse, deren Zeuge Bernhard als Beobachter wird. Als die „Sindaro“ in der brütenden Hitze der südlichen Breiten mit Maschinenschaden liegen bleibt, gärt die Stimmung der Passagiere. Bevor es zum Aufstand kommt, gelingt es der Mannschaft, die Maschinen wieder anzuwerfen. In Jakarta, dem damaligen Batavia, gehen Bernhard und Dr. Holzer von Bord.

(Fortsetzung folgt)

Der Maskensammler

Buchcover "Der Maskensammler"Fast zwei Jahre habe ich an dem neuen Roman gearbeitet. Der Titel für seinen Vorgänger stand von Anfang an fest: „Die Villa“. Jetzt war es anders: Es wollte und wollte mir kein geeigneter Titel einfallen. Erst spät, als die Rohfassung bereits vorlag, kam einem Freund der zündende Einfall: „Nenn ihn ‚Der Maskensammler’!“ Der Freund hatte keine Zeile des Manuskriptes gelesen. Mein Lektor bei C. H. Beck und die dortigen Mitarbeiterinnen in der Werbe- und der Presseabteilung waren einverstanden. „Der Maskensammler“ ist weniger eingängig als „Die Villa“. Aber das ist vielleicht der Inhalt des neuen Buches auch.

Ich will an der Stelle vom Thema und den handelnden Personen nichts verraten. Nur so viel: Während mir das Milieu der „Villa“ aus eigener Anschauung gut bekannt war, habe ich beim „Maskensammler“ bewusst mir unbekanntes Terrain betreten. Das zu tun, war riskant, aber auch spannend.

Hoffentlich merkt man dem Buch, wenn man es liest, nicht an, wie viel Mühe es gemacht hat, es zu schreiben. Ich musste viel recherchieren, um mir bei der Beschreibung der Handlungsorte und der Schilderung von historischen Ereignissen keine Blöße zu geben.

Das Manuskript liegt jetzt in der für mich endgültigen Form auf dem Tisch meines Lektors. Er wird es noch einmal ganz lesen, vor allem die Kapitel 11 und 12, in denen ich im letzten Durchgang noch erhebliche Änderungen vorgenommen habe. Hoffentlich ist er im Großen und Ganzen mit der vorliegenden Fassung einverstanden und das Manuskript kann bald in die Herstellung gehen. Ende Juli oder im August soll es als fertiges Buch ausgeliefert werden.

Die Villa – Taschenbuchausgabe

Die Villa von Reinhold Neven Du Mont - TaschenbuchausgabeAls ich kürzlich von einer längeren Reise zurückkam, fand ich bei der Post eine Karte von einem Freund und Schriftstellerkollegen, über die ich mich sehr gefreut habe. Er schrieb: „Lieber Reinhold, ich lese und lese in Deinem so glänzend geschriebenen Roman. Warum hast Du nicht früher angefangen, Bücher zu schreiben? Ich freue mich, lese U. vor und U. liest mir vor: So sind wir mit Dir auf Reisen. Herzlichen Dank! Dein T.“

Schriftsteller verfolgen üblicherweise die Arbeiten der anderen mit argwöhnischer Neugier. Sie warten darauf, dass ihre eigenen Texte gelobt werden, manche sind geradezu süchtig nach Lob, sehen aber in den Büchern anderer Autoren eher die Konkurrenz. Dass sie sich so spontan äußern und so herzlich bedanken wie T., kommt selten vor.

T. und U. lesen vermutlich die Taschenbuchausgabe der „Villa“. Sie ist vor einem Monat bei dtv erschienen und wird, wie ich aus München höre, vom Buchhandel recht gut bestellt. Das Taschenbuch sieht gut aus. Man hat für den Einband das Motiv der bei C. H. Beck erschienen Hardcover-Ausgabe in einem Ausschnitt übernommen: den Kopf einer fröhlich lachenden Frau im Halbprofil. Der Schutzumschlag hat großen Anklang gefunden, ich habe mich schnell mit ihm angefreundet, obwohl ich mir die Elisabeth in meinem Roman zwar ebenso reizvoll, aber etwas strenger vorstelle. – Mit € 9,90 ist die Taschenbuchausgabe erschwinglich.

Auf der Rückseite zitiert die dtv-Ausgabe aus zwei Rezensionen der „Villa“: „Reinhold Neven Du Mont erzählt eine dichte, geheimnisvolle Familiengeschichte aus der Perspektive eines schüchternen und sensiblen Außenseiters.“, schrieb Sabine Zaplin in der „Süddeutschen Zeitung“. Und Edelgard Abenstein im „Deutschlandradio Kultur“: „Ein prall-buntes Zeitpanorama von vor dem Ersten Weltkrieg bis in die Fünfziger Jahre.“

“Goldene Doktorurkunde”

 Meine erste Veröffentlichung erschien achtundvierzig Jahre vor dem Roman „Die Villa“. Sie trug den etwas sperrigen Titel: „Die Kollektivierung des literarischen Konsums in der modernen Gesellschaft durch die Arbeit der Buchgemeinschaften“, wurde mit „Summa cum laude“ benotet und war meine Dissertation. Es ging also um die Buchgemeinschaften, von denen es damals in der Bundesrepublik mehr als ein halbes Dutzend gab, genauer gesagt um die Frage, ob die Buchgemeinschaften einen Bildungsauftrag erfüllten, indem sie ihre Mitglieder, die aus Schwellenangst nie eine Buchhandlung betraten, zum Lesen von Büchern erzogen und ihren literarischen Geschmack bildeten: von Konsalik über Remarque zu Thomas Mann. Ich wertete die Kataloge der Buchgemeinschaften aus, befragte ihre Programmmacher und die Mitglieder, deren Angaben ich auch auf Grund ihres Alters und ihrer sozialen Herkunft zu analysieren versuchte.

Die Auflage war klein. Ich ließ dreihundert Exemplare drucken. Davon gingen die für die Universität bestimmten Pflichtexemplare ab, ich verteilte einige an Verwandte und Studienfreunde, der Rest liegt auf dem Speicher und verstaubt. Die meisten Buchgemeinschaften existieren nicht mehr. Die Kaufgewohnheiten haben sich verändert. Mitgliedschaften und Abnahmevorschriften sind nicht mehr beliebt. Die Leser wollen frei wählen und ihre Lektüre nicht vorgeschrieben bekommen.

 Vor kurzem habe ich meine Dissertation noch einmal zur Hand genommen. Es gab einen Grund: Ich hatte ein Schreiben meiner Alma Mater, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, erhalten, in dem ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sich in diesem Jahr zum fünfzigsten Mal der Tag jährt, an dem ich zum „Dr. phil.“ promoviert wurde. Die Promotionsordnung der Fakultät sieht vor, die Doktorurkunde nach fünfzig Jahren zu erneuern und in einer Feier in der Aula dem Jubilar eine „Goldene Doktorurkunde“ zu überreichen.

 Ich fuhr hin, war amüsiert und ließ mich ehren. Die Urkunde ist zwar nicht aus Gold, aber in Latein abgefasst. Ich werde sie nicht rahmen lassen, ich werde sie zu den restlichen Exemplaren der „Kollektivierung“ im Speicher legen.

Der Maskensammler, 5. Teil: 75 . Geburtstag

C. H. Beck hat die Nachricht, dass der Autor von „Der Maskensammler“ Geburtstag hat, über seinen Presseverteiler verbreitet. Zahlreiche Artikel, teils kurze Erwähnungen, teils ausführliche Würdigungen meiner Zeit als Verleger von Kiepenheuer & Witsch erschienen zum 12. November in Zeitungen und Zeitschriften. Dpa ergänzte, dass ich den Tag selbst im engstem Familienkreis in Marokko verbringen würde. Zu lesen war unter anderem wieder ein Ausspruch von mir aus einem vor Jahren gegebenen Interview: „Bücher riechen gut.“

Besonders gefreut haben mich Artikel, aber auch Gratulationsbriefe, in denen von meiner schriftstellerischen Tätigkeit die Rede war. Mit vielen positiven Erinnerungen, aber auch mit einem Quantum Stolz denke ich an die Zeit von 1963 bis 2001 bei Kiepenheuer & Witsch zurück. Ich hätte mir keinen schöneren und mich besser ausfüllenden Beruf vorstellen können. Aber dann, vor zehn Jahren, kam der freiwillige Wechsel „von der einen Seite des Tisches auf die andere“; vom Stuhl des Verlegers auf den Stuhl des Autors.

Dass dieser Wechsel Schriftstellerkollegen wie Uwe Timm, Herbert Rosendorfer oder Dieter Wellershoff, dass ihn Literaturkritiker und Feuilletonredakteure, Buchhändler und Buchhändlerinnen mit wohlwollendem Interesse verfolgen, erfüllt mich mit Genugtuung und ist für mich Ansporn, über einen dritten Roman nachzudenken. „Das Buch als Konstante des Lebens“, war ein Artikel überschrieben. Das ist zutreffend.

Viel Zuspruch, viel Lob für den „Maskensammler“ habe ich auch von Freunden und alten Bekannten erhalten. Dafür bin ich dankbar. Ebenfalls für die Glückwünsche von Politikern: Allen voran der Bundespräsident, der Präsident des Deutschen Bundestages, Professor Norbert Lammert, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. h. c. Nikolaus Schneider, der Hörfunkdirektor des WDR, Wolfgang Schmitz, der Oberbürgermeister meiner Heimatstadt Köln, Jürgen Roters, und viele andere mehr.

Am 24. November kam es in Köln zu einem Ereignis der besonderen Art. Es lasen drei Autoren in der Mayerschen Buchhandlung aus ihren neuen Romanen. Nun ist der Auftritt von mehreren Autoren an einem Abend nichts Ungewöhnliches, so zum Beispiel bei den langen Nächten der Literatur, die das Kölner Literaturhaus regelmäßig veranstaltet. Dass aber die auf einem Podest nebeneinander Sitzenden einer Familie angehören, eng verwandt sind, ist meines Wissens ohne Beispiel. Mein Bruder Alfred las aus seinem Roman „Die Rückkehr des Vaters“, meine Schwägerin Hedwig aus ihrem Krimi „Backgammon“ und ich aus „Der Maskensammler“. Die Veranstaltung war ausverkauft, die Zuhörer saßen dicht gedrängt. Ich denke, sie kamen auf ihre Kosten.

In der Mayer'schen Buchhandlung